Medienecho

Literatur ist eine Herzensangelegenheit

«Die einen rein, die anderen raus. Wer versucht, einen Bücherkanon zu erstellen, der gerät leicht ins Schussfeld, denn die Frage, was auf den Listen fehlt, ist oft wichtiger als das, was drauf ist. [….] «99 beste Schweizer Bücher» nennt sich eine Auswahl von Jean-Jacques Rousseau bis Leo Tuor. Von 1792 bis 2019. Das ist ein Wagnis, aber es lohnt. Und schon ist man mittendrin: von Dürrenmatt wirklich «Das Versprechen», von Frisch «Der Mensch erscheint im Holozän»? Meinrad Inglins «Schweizerspiegel» ist drin, aber auch Hugo Balls «Flametti». Natürlich Johanna Spyris «Heidi», aber auch Catherine Colombs «Spiel der Erinnerung».[…]
Ein grosses Foto, eine Seite zum jeweiligen der 99 Bücher: Man kann in dieser Sammlung blättern, das Bekannte abnicken und Entdeckungen machen. Weil die Texte nichts voraussetzen, ausser dass man ihre Begeisterung für das Lesen teilt, gibt es in ihnen keinen pädagogischen Zeigefinger. Nur Hinweise. Am schönsten ist das, wenn es um vergessene oder noch kaum entdeckte Autoren geht. [….]Ein Versuch, das Schweizerische zu definieren, ohne es in nationaler Beschränkung gleich wieder zu ersticken. Ganz im Gegenteil. […] Unter den jüngeren Autoren und Autorinnen sind es die in Bukarest geborene Aglaja Veteranyi und die aus Serbien stammende Melinda Nadj Abonji, ohne die die Schweiz nicht wäre, was sie ist. Ein Hafen und ein Durchgangsort für Ideen und Sprachen. Genau das versucht dieser Kanon abzubilden.[….]
Dass es 99 Bücher sind, mit denen man sich je nach Vorliebe entweder noch einmal oder überhaupt zum ersten Mal auseinandersetzen könnte, hat vielleicht einen guten Grund. Das hundertste Werk ist ein Hinweis, eine Gebrauchsanweisung und der freundlichste Lesebefehl, der sich denken lässt: Es heisst «99 beste Schweizer Bücher».

Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2020

Hier fehlt ein Buch zum vollen Hundert

«Mit Bestenlisten ist es so eine Sache: Erstens ist entscheidend, wer die Auswahl trifft, und zweitens findet sich danach trotz allem ein Leser, dem etwas auf der Liste fehlt. Beides haben die Macher dieser Blütenlese aus 250 Jahren Schweizer Literatur mit Bravour gelöst. […]»

Kultur-Tipp, SonntagsBlick, 27.12.2020

Lesen macht mich glücklich

«Wir haben eine Auswahl von Werken zusammengestellt, von denen wir finden, es lohne sich, sie zu lesen, sie wieder zu entdecken. Dabei haben wir uns ganz von unserer Leseleidenschaft leiten lassen. So ist eine Sammlung von Texten entstanden, die zur Identität der Schweiz beitragen – und die zeigen, wie vielfältig diese Identität ist. Das Buch «99 beste Schweizer Bücher» ist eine Liebeserklärung an die Schweizer Literatur.  […] Jedem Text steht ebenbürtig ein erzählendes Bild zur Seite. Die Porträts, Fotografien, Zeichnungen und Zeitzeugnisse inspirieren visuell – mal wortgewaltig, mal flüsternd – den Zugang zu den Texten.[…]
Die Schweizer Literatur zeichnet sich unserer Ansicht nach durch ihren hintergründigen, manchmal abgründigen Witz aus. […] Manche Texte sprühen vor Experimentierlust und schlagen Funken aus der Sprache, andere haben einen langen epischen Atem. Wer sich auf Schweizer Literatur einlässt, wird reich belohnt und versteht unser Land und seine vielen Kulturen und Gesichter besser.»

Matthias Ackeret, persoenlich.com, Interview mit Pascal Ihle, 21.12.2020

Kontinent Schweiz

«In Zeiten, in denen man zuhause bleiben muss, bietet sich die Literatur an. Eine neue Anthologie „99 beste Schweizer Bücher“ widmet sich dem Schweizer Literaturschaffen in Wort und Bild, pro Werk eine Doppelseite. Der Band bildet den Auftakt zu einem literaturgeografischen Großunterneh­men, das auf der Onlineplattform www.büCHerstimmen.ch seine Fortset­zung findet. Legendäre Auf­- und Ausbrecher (Annemarie Schwar­zenbach, Nicolas Bouvier) firmie­ren gleichauf mit moralischen Instanzen (Peter Bichsel), Sprach­magiern (Philippe Jaccottet) und Kinderbuchklassikern (Johanna Spyri). Neben den helvetischen Urgesteinen kommen auch mi­grantische Neu-Schweizer (Ágota Kristóf, Melinda Nadj Abonji) zu Ehren. Das Panorama wird beglei­tet von Essays zur helvetischen Codierung dieser Literatur. Die Auswahl trägt der sprachlichen Vielfalt des Landes Rechnung wie auch der Fragilität seines In­sel-Status. Globale Finanzströme, Tourismus und Migration erzeu­gen Reibungen, machen auch Hel­vetien zu einer „Kontaktzone vol­ler Widersprüche“.

Ein nationaler Topos ersten Ranges sind die faszinierenden Bergwelten. Sie rücken als Sinn­bild eidgenössischer Festungs­mentalität in den Fokus, als Büh­ne archaischer Dramen und als mystische Wesen. […] Doch in der Schweizer Literatur­geografie gibt es auch imposante Stadtromane zu entdecken.[…]»

Ingeborg Waldinger, Die Furche, 10.12.2020

Auf der Spurensuche in der Schweiz

«Natürlich: Frisch und Dürrenmatt kennt jeder, kein Deutschunterricht in der Schule kommt ohne die Literatur dieser beiden Klassiker aus. Aber sonst? […] Ob Adolf Muschg, Urs Widmer, Sibylle Berg, Albert Cohen, Kurt Guggenheim, Franz Hohler, Thomas Hürlimann, Gottfried Keller, Christian Kracht, Kurt Marti, Hansjörg Schneider, Peter Stamm, Robert Walser oder Urs Zürcher – um nun einige Namen zu nennen: Der Band „99 Beste Schweizer Bücher“ stellt auf jeweils einer Doppelseite eine Schriftstellerin oder einen Schriftsteller vor. Und das Buch bereitet damit enorm grosse Leselust – nämlich darauf, denen einen oder anderen dieser Autoren doch einmal näher kennenzulernen!»

Oliver Graue, BizTravel, 27.11.2020

Schweizer Literatur ist eine Goldgrube

«Etwas vom Schönsten für eine leidenschaftliche Leserin ist die Entdeckerfreude. Die Schweizer Literatur ist in dieser Hinsicht eine Goldgrube, wie sich bei der Arbeit für die «99 besten Schweizer Bücher» gezeigt hat. In den letzten zweihundert Jahren wurde so viel Kluges, Eigenwilliges, Schräges, Verrücktes geschrieben, von dem heute kaum noch jemand spricht. Ich glaube zwar nicht daran, dass literarische Texte einen Nationalcharakter haben; Literatur kennt keine Grenzen – und wenn, dann nur, um sich daran abzuarbeiten. Das hingegen tun Romane, Erzählungen und Gedichte aus allen vier Landessprachen besonders gern. Wenn es also etwas Schweizerisches gibt an der Literatur aus der Schweiz, dann ist es die Neugier, herauszufinden, wie es hinter dem nächsten Berg aussieht.»

Kulturtipps der NZZ-Redaktion, 3 Fragen an Christine Lötscher, NZZ, 8.10.2020

Eine wunderbare Verführung zum Lesen

«Selten hat mich ein Buch auf den ersten Blick so begeistert wie «99 beste Schweizer Bücher, literarische Coups de coeur», das Pascal Ihle (Historiker und Journalist), Christine Lötscher (Privatdozentin für populäre Kulturen), Sonja Lüthi (Journalistin und Herausgeberin von Kunstbüchern), Thomas Ribi (Autor und Redaktor NZZ) und Sandra Valisa (Journalistin und Redaktorin) schrieben. Zunächst: Das Buch ist schön. (…) Selbstverständlich kommen auch Berge und Alpen vor. Es wird die Schönheit eines Tessiner Seitentals gezeigt, aber eben auch, wie es seine Leute nicht mehr ernährte. Gezeigt wird auch eine Schweiz der Armut, meist ohne sozialromantischen Kitscheinschlag, aber die Schweiz der Emigration und heute der Immigration. Vor allem im zweiten Teil des Buches (es ist chronologisch geordnet) dominieren AutorInnen, die in die Schweiz einwanderten. Wobei das Unterschiedliche für die fünf AutorInnen schon früh da war: Sie beziehen vor allem die welschen Bücher ganz selbstverständlich ein. Erfreulich zudem: Die AutorInnen der Gegenwart (mit Werken ab 1950) dominieren, und der Blick richtet sich stark auf Autorinnen. Ich kannte nicht alle, aber längst auch nicht alle Autoren. Insgesamt ist das Buch eine wunderbare Verführung zum Lesen, wobei man in aller Kürze sogar mitbekommt, was man selber nicht unbedingt lesen will.»

Koni Loepfe, P.S., 25.9.2020