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POSTKARTEN BUCHTIPP: Im Bann von Alarm und Zweifel
Wer hätte gedacht, dass wir uns nach dem Ende des Kalten Kriegs wieder mit Atomwaffen beschäftigen würden – im Krieg zwischen Russland und der Ukraine, im Iran, und nun, da Trump und Putin erneut von Atombombentests sprechen. In diese unruhige Zeit fällt Lukas Maisels schmaler Roman «Wie ein Mann nichts tat und so die Welt rettete». Ein stilles Buch über eine Nacht im Jahr 1983, als ein sowjetischer Offizier die Welt rettete, indem er auf seine innere Stimme und Erfahrung hörte.
Stanislaw Petrow lebt ein unscheinbares Leben. Dienstschichten und Routine. Die Tage gleich, die Nächte müde. Dann ein Alarm. Grelles Licht. Sirenen. Der Computer meldet den Angriff der Amerikaner. Ein Knopfdruck – und alles wäre vorbei. Doch Petrow zögert, misstraut der Maschine und vertraut dem, was man nicht messen kann: Instinkt, Vernunft, ein Rest Menschlichkeit. Dieses Innehalten rettet die Welt.
Maisel erzählt das ohne Lautstärke. Seine Sprache ist scharf, knapp, fast spröde. Jeder Satz klingt wie der Nachhall eines Gedankens. Kein Held, kein Pathos – nur ein Mann im Dazwischen. Angst, Müdigkeit, Pflicht. Man spürt den Herzschlag unter der Uniform, das Zittern im Schweigen.
Der Roman ist ein Kammerspiel der Wahrnehmung. Traum und Realität verschwimmen. Maschinen denken, Menschen zweifeln. In dieser Spannung liegt das ganze Drama: Der Mensch als Störung im System – und zugleich seine einzige Hoffnung.
Am Ende bleibt Stille. Und eine Ahnung davon, wie zerbrechlich Vernunft ist. Maisels Buch erzählt davon, dass manchmal das Grösste geschieht, wenn nichts geschieht. Dass Mut auch heissen kann, nicht zu gehorchen.
Lukas Maisel: Wie ein Mann nichts tat und so die Welt rettete. Roman. Rowohlt Verlag, 2025, 128 S. etwa Fr. 20.-/34.-


© Wallstein Verlag
Trügerisches Stillleben: Die Messerklinge spiegelt den Peperoni. Félix Vallotton, Poivrons rouges, 1915, Öl auf Leinwand, 46 x 55 cm, Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller-Stiftung