Bleiben Sie informiert:
POSTKARTEN BUCHTIPP: Eduard, Bäschteli, Wrigley & Co.
So genau weiss ja niemand, was ein Klassiker ist. Und eigentlich spielt das auch keine Rolle, denn die Zeit, in der Klassiker Bücher waren, bei denen man sich verpflichtet fühlte, sie zu lesen – oder besser: sie gelesen zu haben –, sind längst vorbei. Vielleicht sollte man «Mein Name ist Eugen» deshalb besser gar nicht als Klassiker bezeichnen. Denn dieses Buch zu lesen, ist keine Verpflichtung, sondern eine pure Freude.
Aber es ist halt schon so etwas wie ein Klassiker. Zumindest wenn man darunter ein Buch versteht, dass nicht altert. Oder besser: Das zwar altert, aber trotzdem zeitlos bleibt. Natürlich, «Mein Name ist Eugen» hat eine gewisse Patina angesetzt. Aber genau das macht den Reiz der Geschichte aus. Der Berner Pfarrer und Politiker Klaus Schädelin schrieb sie Anfang der fünfziger Jahre. Zu einer Zeit, in der sich die Welt noch etwas gemächlicher drehte als heute. In der Schweiz erst recht. Man fuhr mit dem Leiterwagen zum Spengler, bekam für einen Franken einen ganzen Sack Kastanien, und nach der Schule wurden Fussballbilder gegen Bleistifte oder weisse Mäuse getauscht.
Eugen, Wrigley, Eduard und Bäschteli sind Protagonisten der Geschichte. Die vier Glorreichen sind etwas, was es heute vielleicht gar nicht mehr gibt: Lausbuben nämlich. Man kann lang darüber nachdenken, wie man einem Jugendlichen der Generation Handy erklären würde, was ein Lausbub ist. Aber wenn man sich durch die Abenteuer der Jungs liest, wird es sofort klar. Sie sind für jeden Unsinn zu haben. Aber die grössten Streiche sind nicht die, die sie planen. Sondern die, die sich ergeben. Weil es immer irgendwo irgendetwas auszuprobieren gibt, was man noch nie gemacht hat.
Ja, und dann hat man auf dem Estrich halt auf einmal ein Faltboot, das übervoll mit Wasser gefüllt ist. Einen Ritterhelm, den man nicht mehr vom Kopf bringt. Oder fünfundzwanzig Liter Sirup. Allerdings nicht in Flaschen, sondern am Boden des Zugabteils. Das Leben ist eben nicht ganz einfach, wenn man Eugen heisst und dreizehn ist.
Klaus Schädelin: Mein Name ist Eugen. Sonderausgabe. Mit Illustrationen von Rudolf Schnyder, einem Vorwort von Ralf Schlatter und der ganzen Wahrheit über Fritzeli Bühler von Beat Schlatter. Theologischer Verlag Zürich, Zürich 2025. 255 S., Fr. 25.-.


Trügerisches Stillleben: Die Messerklinge spiegelt den Peperoni. Félix Vallotton, Poivrons rouges, 1915, Öl auf Leinwand, 46 x 55 cm, Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller-Stiftung