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POSTKARTEN BUCHTIPP: Warten voller Zwischentöne
Warten voller Zwischentöne
Das Klirren der Gläser, das Scheppern des Bestecks, ein Geräuschteppich aus Gemurmel, Gesprächsfetzen und Gelächter. Ein wellenartiges Kommen und Gehen, Stühle rücken, Teller klappert. Man isst, trinkt, nippt, konversiert, schweigt – und wartet. Caroline Roger’s Debütroman «Unter Gästen» spielt im Bistro, im Bistro der Mutter.
Das französische Restaurant des Vaters liegt eine Etage höher. Die Tochter wartet auf die Mutter, das pulsierende Herz ihres Lokals. Währenddem beobachtet sie die Gäste, einen rotierenden Kosmos aus Stammgästen, Touristinnen, Einzelgängern, Studenten, Passantinnen.
Entlang der Tische, Gäste und Angestellten entwickeln sich Geschichten. Gedanken driften ab, drehen Pirouetten und kommen zurück ins Lokal, dorthin, wo die Liebe der Eltern zerbrochen ist, das Familienleben entschwindet. Und doch, eine Bande bleibt über die Mutter-, die Vater- und die Alltagssprache hinweg.
Caroline Roger schreibt auf Deutsch und Französisch. Sie skizziert voll liebenswürdigem Schalk das Warten, die Gäste und ihre Skurrilitäten, den eigensinnigen Vater, die Mutter, eine Anteilnehmende und wirbelige Gastgeberin. Dennoch sinniert sie: «Die Begegnung klang lange nach und machte mir bewusst, wie wenig wir über die Menschen wissen, die unser Leben teilen. Vor allem über unsere Eltern.»
Ein feinsinnig beobachtetes Debüt.
Caroline Roger «Unter Gästen». Roman. Limmat Verlag, März 2026. 208 S., etwa Fr. 30.-


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