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POSTKARTEN BUCHTIPP: Mutter und Tochter
«Ikarus» ist ein absolut treffender Titel für Fabio Lanz’ dritten Kriminalroman. Das Ikarus-Motiv – Überheblichkeit, Fall, Selbstüberschätzung – durchzieht Handlung und Figuren. Bereits gespoilert? Nein. Denn bei Fabio Lanz verbirgt sich das Böse beunruhigend unauffällig und realitätsnah hinter einer glänzenden Fassade – und will erst freigelegt werden. Die eigentliche Tat ist technisch raffiniert und mörderisch perfid.
Nach einem gewaltigen Sommergewitter wird Sarah Conti mit ihrem Team der Zürcher Kantonspolizei zum Forchdenkmal gerufen. Die 18 Meter hohe Kupferflamme ragt bedrohlich in den Himmel und erinnert auf einer Stufenpyramide an die Wehrmänner des Ersten Weltkriegs. Dort liegt ein Toter – durch einen umgeleiteten Blitzableiter vom gewaltig aufgeladenen Himmel erschlagen. Es handelt sich um einen angesehenen Psychiater.
In klassischer Ermittlungsarbeit sucht Kommissarin Conti nach dem Mordmotiv. Der Tote gehörte zur feinen Gesellschaft, doch hinter der glänzenden Oberfläche entdeckt Conti Risse, Doppelmoral und Abgründe. Menschen werden manipuliert. Wer ist Opfer, wer Täter?
Fabio Lanz alias Martin Meyer, ehemaliger Feuilletonchef der NZZ, webt sein kulturgeschichtliches Wissen fingerfertig in die spannungsreiche Handlung ein, während Kommissarin Conti sich klug durch das psychologische Dickicht moralischer Fragwürdigkeit kämpft. Ein Kriminalroman für Leserinnen und Leser, die leise, bösartige Spannung schätzen.
Fabio Lanz: Ikarus, Sarah Contis dritter Fall. Kain & Aber, 2024. 352 S., etwa Fr. 30.-


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© Verlag Die Brotsuppe